Wie geht man vor?

»Aller Anfang ist schwer«, und eigentlich doch ganz einfach

Dennoch stehen viele Amateurforscher zuerst einmal orientierungslos vor dem Nichts und versuchen einen Einstieg in die Materie zu finden. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie man einsteigen kann. Eine Möglichkeit kann die Auftragserteilung an einen Berufsgenealogen sein – selber forschen macht jedoch mehr Spaß!

Als Anhaltspunkt für die eigene Forschung möchte ich meinen Weg aufzeigen, wie ich den Einstieg gefunden habe. Natürlich kann dies nur eine persönliche Empfehlung sein. Ob dieser für Sie ebenfalls zutreffend ist, müssen Sie für sich entscheiden.

Fangen Sie bei sich an!

Jede Ahnentafel fängt bei einer Ausgangsperson an, dem sogenannten Probanden. Das sind zumeist erst einmal Sie selbst, so dass sind Sie die erste »mündliche« Quelle sind. Somit aber auch der Startpunkt für die Familienforschung und damit halten Sie zuerst Ihre eigene Lebensdaten fest: Geburt, Taufe, Beruf, Ehepartner, Hochzeitstag und -ort, Kinder etc.

Dann sind Ihre Eltern an der Reihe: Wann und wo geboren, sind sie vielleicht schon gestorben? Auch hier Taufe, Beruf, Ehepartner, Hochzeitstag und -ort, etc.

Wenn Ihnen zu den Eltern nichts mehr einfällt gehen Sie zu den Großeltern über: Wann und wo geboren, sind sie vielleicht schon gestorben? Und ebenfalls Taufe, Beruf, Ehepartner, Hochzeitstag und -ort, etc.

Schon mit der Generation der Großeltern dürften spätestens jetzt einige ihre Probleme haben, alle Lebensdaten aus dem Gedächtnis heraus zu ermitteln. Fragen Sie doch einfach Ihre Eltern, die dürften das ein oder andere sicherlich noch wissen. Auch kann es sein, dass den Eltern einfällt, dass Sie noch den Ahnenpass haben, den ihre Eltern damals ausstellen lassen mussten, um die arischen Vorfahren nachzuweisen. Dort ist meistens eine Ahnentafel über mehrere Generationen vorhanden – eine richtige Fundgrube für Sie!

Welche Daten sollten Sie festhalten? Das ist eigentlich Ihnen überlassen, jedoch wird jeder gewissenhafte Familienforscher natürlich versuchen, so viele Informationen wie möglich zu beschaffen. Erst dann ergibt sich ein rundes Bild der eigenen Familiengeschichte. Nachfolgend eine Liste der meisten Daten, die auch auf Karteikarten oder innerhalb einer Software abgefragt werden:

  • Familien- oder Geburtsname, Vornamen, Rufname, Spitznamen
  • Beruf, Konfession, Geschlecht
  • Geburtsdatum/-ort, Taufdatum/-ort, Sterbedatum/-ort, Beerdigungsdatum/-ort
  • Angaben zu den Eltern: Familienname, Vorname, Geburtsdatum/-ort
  • Angaben zu den Ehepartner: Hochzeitsdatum/-ort, Familienname und Vorname des Ehepartners, Anzahl der Ehepartner
  • Angaben zu den Kinder: Geburtsdatum/-ort, Vornamen, Anzahl der Kinder

Wie Sie die Daten ablegen können finden Sie auch unter Auswertung und Darstellung.

Doppelte Arbeit vermeiden

Sie sind nicht der einzige Forscher der nach Vorfahren sucht. Wenn Sie wissen möchten, ob nicht schon ein anderer Forscher nach dem gleichen Familiennamen geforscht hat, so können Sie dies mit den folgenden Hilfsmitteln tun (die Liste erhebt natürlich nicht den Anspruch auf Vollständigkeit):

Eine Vielzahl der Hilfsmittel finden Sie in größeren Stadtbibliotheken oder auch in der Bibliothek eines genealogischen Vereins.

Zum Abklären von überschneidenden Forschungsarbeiten besteht die Möglichkeit, eine Suchanzeige in Fachzeitschriften oder in der Ausgabe einer genealogischen Vereinszeitung aufzugeben. Für bisher erschienene Suchanzeigen existieren Registerbände mit tausenden von Namen.

Standesämter

Beispiel für ein StandesamtmatrikelNeben den größten Quellen, den Kirchenbücher, werden Daten von Geburt, Hochzeit und Tod auch vom Staat in den örtlichen Standesämtern registriert. Aus den Matrikeln fordern Sie von den Standesämtern Auszüge an, die weiter Informationen zu einem Vorfahren enthalten können.

Vorgehensweise:
Schreiben Sie einen Brief an das zuständige Standesamt, von dem Sie annehmen, dass es die Informationen eines Vorfahren von Ihnen besitzen könnte. Natürlich sollte Ihre Anfrage auch sämtliche bekannte Daten zur gesuchten Person beinhalten. Je mehr über die Person bekannt ist, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie die gewünschten Informationen erhalten.

Schreiben Sie Ihre Anfrage immer höflich. Nicht fordernd oder zu zwingend, dass führt sonst eher zum Gegenteil und Ihre Anfrage wird eventuell nicht oder verzögert bearbeitet. Sichern Sie die Bezahlung der notwendigen Kosten zu und schreiben Sie ein maximales Preislimit vor, das Sie bereit sind zu zahlen. Wenn nicht unbedingt notwendig, verzichten Sie auf beglaubigte Auszüge – das spart Geld. Rechnen Sie mit ca. € 3,- bis € 10,- an Kosten für die Bearbeitung!

Briefvorlagen für Anfragen an Standesämter finden Sie zum Beispiel auf der Webseite des Verein für Computer-Genealogie (ComGen).

Von allen standesamtliche Matrikeln lagern Zweitschriften in den staatlichen Archiven (--> Staatsarchiv). Hier können Sie in der Regel kostenlos nach Informationen suchen. Einzige Bedingung: aus Datenschutzgründe müssen die Daten, die Sie einsehen möchten, älter als 100 Jahre sein!

Beachten Sie bitte, dass die Aufzeichnungen in den einzelnen Standesämtern unterschiedlich weit zurückreichen.

Beispiele:

(Bundes-)Land Älteste Aufzeichnungen
 Baden-Württemberg  seit Napoleon I.
 Deutsches Reich  ab 1.1.1875
 Hamburg  seit 1866
 Preußen  seit 1874
 Österreich  ab 1.8.1938

 

Kirchenbücher

Beispiel für KirchenbuchmatrikelFür die Kirchenbücher gilt dasselbe wie für die Standesämter, nur das die Aufzeichnungen fast bis ins 15./16. Jahrhundert zurückreichen – in Frankreich sogar bis ins 13. Jahrhundert.

Schreiben Sie auch hier einen Brief an die entsprechende Kirche und beantragen Sie die Übersendung der gewünschten Personendaten. Sie sollten dabei genauso vorgehen, wie es bei den Standesämtern beschrieben wurde.

Beachten Sie, dass je nach Konfession verschiedene Kirchenämter, Diözese oder das Kirchenarchiv direkt angeschrieben werden müssen. Spezielle Adressenlisten können Sie bei Organisationen anfordern oder aus der entsprechenden Fachliteratur entnehmen. Vielfach finden Sie hier auch Erläuterungen über Kirchenbücher und deren Auswertung.

Briefvorlagen für Anfragen an Kirchen finden Sie ebenfalls auf der auf der Webseite des Vereins für Computer-Genealogie (ComGen).

Natürlich können Sie auch Kirchenbücher persönlich einsehen. Beachten Sie aber bitte die folgenden Punkte:

  • Kirchenbücher beinhalten sakrale Daten wie Taufe oder Beerdigung, also nicht das Geburts- oder Sterbedatum! Generell aber lässt sich sagen, dass früher eine Taufe 1-2 Tage nach der Geburt und eine Beerdigung spätestens am dritten Tage nach Todeseintritt erfolgte.
  • Eintrage in katholischen Kirchenbücher sind bis Anfang des 20. Jahrhunderts in Latein erfasst worden. Rechnen Sie daher, dass Sie sich öfters mit Kirchenlatein beschäftigen müssen, um an die gewünschte Information zu kommen.
  • Des weiteren dürfte für viele die altdeutsche Schreibschrift in den Kirchenbücher ein Problem darstellen; sehen Sie bitte hierzu auch bei den Hilfswissenschaften oder bei den Deutschen Schriftformen nach.

Sämtlich hier genannte Quellen gehören zu den sogenannten Primären Quellen und liefern dem Familienforscher meist nur das entsprechende Gerüst für die weiter Forschung.

Weitere, zumeist die interessanteren Quellen, bieten dann zusätzlich Informationen zu den Lebensumständen und viele tiefe Einblicke in das Leben und Wirken unserer Vorfahren an – die Sekundär Quellen