Lehrjahre sind keine Herrenjahre

(Jahre 1987-1990)

Als »Frischling« begann ich meine Lehre bei der altehrwürdigen Firma E. Schreiber, Graphische Kunstanstalt, in Stuttgart als »Druckvorlagenhersteller/Fachrichtung Reproretusche«. Hier lernte ich die komplette Druckvorstufe von der Pike auf kennen: Farm’scher Abschwächer, Hände in Hydrochinon baden (--> Filmentwickler), Composing, Fototechniken, Isodensiten, Retusche und vieles mehr.

Dafür durften wir so ehrwürdige Druckverfahren wie Lichtdruck noch kennenlernen. Oder wir haben in zahlreichen Versuchen die optimale Belichtung von Filmen und Dias getestet; daraus wurden Gradations- und Belichtungskurven gezeichnet. Unsere Ausbildungsabteilung war für die damalige Zeit einmalig und leistete sich damals viele Reprofirmen schon lange nicht mehr. Auf jedenfall habe ich sehr viel und sehr gut gelernt, sprich, rund um eine gute Ausbildung genossen.

Zwar waren wir vom elektronischen Zeitalter noch weit entfernt, das kam erst so allmählich auf. Okay, die ersten Macs und PCs gab es zwar damals auch schon, doch man war sich der über 100-jährigen Tradition bewusst und blieb beim Bewährten. Wahrscheinlich hat dadurch die Firma den notwendigen Absprung nicht so richtig geschafft und ist dann ein paar Jahre später vom DTP-Markt verschwunden.

Aber das habe ich schon gar nicht mehr mitbekommen …