Ludwig GeigerDeutscher Theater- und Literarhistoriker, Goethe-Forscher
* 05.06.1848 in Breslau
† 09.02.1919 in Berlin

Name 

  • Rufname: Ludwig
  • Eigentlicher Geburtsname: Lazarus Abraham Geiger [1,2]

Vita [2]

Ludwig Geige studierte Philologie und Geschichte in Heidelberg, Göttingen und Berlin. Seit dem Jahr 1870 hatte er einen Lehrauftrag an der Berliner Friedrich-Wilhelm-Universität inne, habilitierte sich 1873 bei Leopold von Ranke mit der Schrift Urteile griechischer und römischer Schriftsteller über Juden und das Judentum, kam aber als Jude nicht über den Status eines Extraordinarius hinaus (Ernennung 1880), wurde allerdings 1908 zum Geheimen Regierungsrat ernannt.

Bereits als junger Gelehrter entwickelte er ein kulturhistorisches Programm, wonach jedes Studium von Geschichte, Kultur und Sprache, mag es historisch oder philologisch auch noch so gelehrt und bedeutend erscheinen, seinen eigentlichen Sinn verfehlt hat, wenn es nicht zu Toleranz, Meinungsfreiheit und Humanität führt.

Geigers literatur- und kulturgeschichtliche Arbeit ist Ausdruck liberal-jüdischen Lebens im 19. und frühen 20. Jahrhundert in Deutschland. In den folgenden Jahren verlegte er seine Tätigkeit mehr auf das Gebiet der Goethe-Philologie (Beitrag Goethe und die Juden; Geigers Name insgesamt steht für die besondere Goetheverehrung im Judentum). Als Herausgeber des von ihm 1880 begründeten Goethe-Jahrbuchs (das lange Zeit den Mittelpunkt der Goethe-Forschung bildete; 34 Bände) musste er jedoch 1913 aufgrund seines Judentums zurücktreten. In seinen Vorlesungen der Jahre 1903 und 1904 an der Berliner Universität stellte er als einer der ersten Literaturwissenschaftler die Frage nach der Existenz einer deutsch-jüdischen Literatur. Im Jahr 1910 veröffentlichte er diese Vorträge unter dem Titel Die deutsche Literatur und die Juden.

Neben seinen allgemeinen kulturhistorischen Arbeiten hat Geiger auch Werke zur Geschichte der Juden in Deutschland verfasst. Vor allem ist hier seine zweibändige Geschichte der Juden in Berlin (1871; 2 Bände, Auftragsarbeit der Berliner Jüdischen Gemeinde) zu nennen, die bis heute, obwohl unvollendet und skizzenhaft, ein Standardwerk geblieben ist, weil sie erstmals die archivalischen Quellen verwertet hat. Er gründete auch die Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland = ZGJD, war von 1886 bis 1892 derenehrenamtlicher Schriftleiter (5 Bände) und in verschiedenen jüdischen Gremien aktiv. So war er mehrere Jahre Mitglied der Berliner Repräsentatenversammlung und gehörte dem Vorstand des Gesamtarchivs der deutschen Juden, dem Kuratorium der Zunz-Stiftung und der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums an. Ab 1908 war er als Nachfolger von Gustav Karpeles Herausgeber der Allgemeinen Zeitung des Judentums.

Geiger war auch als Übersetzer tätig und übertrug in Paris, wo er eine Zeitlang studierte, Ernest Renans Werke „Paulus“, „Das Leben Jesu“ und „Der Antichrist“ ins Deutsche.

Er war schon zu seinen Lebzeiten antijüdischen Attacken ausgesetzt, nach seinem Tod wurde er bald vergessen, auch im Judentum, vor allem aufgrund seiner radikal-liberalen und dabei dezidiert antizionistischen Haltung. Seine Privatbibliothek lagert in der Stadtbücherei Berlin-Wilmersdorf. Teile dieser Bibliothek mit dem Schwerpunkt Sekundärliteratur zu Johann Wolfgang von Goethe wurden in der Dietrich-Bonhoeffer-Bibliothek in Berlin archiviert. In neuerer Zeit ist das Interesse an Geiger wieder etwas erwacht, das sich bisher jedoch vor allem auf seine Goethe-Studien und seinen Beitrag zur deutsch-jüdischen Literatur konzentriert.

Werke [1]

Er bearbeitete das »Goethe-Jahrbuch« von 1880, »Vierteljahrsschrift für Kultur und Literatur der Renaissance« (1885-1886), Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland (1886-1891), Zeitschrift für vergleichende Literaturgeschichte und Renaissance-Literatur (1887-189 I). Unter seinen Arbeiten sind Johann Reuchlin, sein Leben und seine Werke (Leipzig, 1871); und Johann Reuchlin's Briefwechsel (Tübingen, 1875); Renaissance und Humanismus im Italien und Deutschland (1882, 2. ED. 1901); Geschichte des geistigen Lebens der preußischen Hauptstadt (1892-1894); Berlin's geistiges Leben (1894-1896).

Familie

  • Vater: Abraham Geiger, Rabbiner und Judaist (→ GEIGER-Forum)
    * 24.05.1810 in Frankfurt a. Main
    † 23.10.1874 in Berlin
  • Mutter: Emilie Oppenheimer,
    * 07.12.1809 in Bonn(?)
    † 06.12.1860 in Breslau

Quellen

[1] Wissen.de, Artikel »Geiger, Ludwig«; https://www.wissen.de/lexikon/geiger-ludwig
[2] Wikipedia, Artikel »Ludwig Geiger«, http://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_Geiger

Bildnachweise

[1] Wissen.de, Artikel »Geiger, Ludwig«; https://www.wissen.de/lexikon/geiger-ludwig